Redebeitrag der Gruppe „Macker Massaker“ aus Mülheim/ Ruhrgebiet für den SlutWalk Ruhr am 13.08.2011 – auf dem SlutWalk Hamburg als Grußwort vorgelesen

Hallo,

die „Macker Massaker“ Gruppe aus Mülheim/ Ruhrgebiet hat sich die Auseinandersetzung mit „Männlichkeiten, Antisexismus und Mackertum“ als Schwerpunkt gesetzt und sendet Euch solidarische Grüße mit folgenden Worten:

Unser Anliegen ist es, eine pro-feministische und antisexistische Auseinandersetzung, gerade auch aus „männlich“ sozialisierter Perspektive voran zu treiben, um die eigenen privilegierten Machtpositionen und Verhaltensweisen auch auf persönlicher Ebene zu reflektieren und diesen entgegen zu wirken. Denn Antisexismus und Feminismus sind nicht nur Themen von und für FrauenLesbenTrans*, sondern müssen auch von männlich Sozialisierten aufgegriffen und mitgedacht werden. Sexuelle Übergriffe, sexualisierte Gewalt und (penetrantes) Dominanzverhalten gehen zumeist von Männern aus. Um diese Realität zu verändern reicht es nicht allein, wenn FrauenLesbenTrans* sich damit beschäftigen und dagegen auf die Straße gehen; es müssen sich auch Männer ernsthaft mit Feminismus und Antisexismus befassen, um eine geschlechtergerechtere Gesellschaft zu ermöglichen und Frauenfeindlichkeit, Trans- und Homophobie zu bekämpfen.

Sexistische „Normalitäten“ haben wir alle verinnerlicht und reproduzieren diese – oft auch ohne „böse“ Absicht. Dennoch wirken sich unsere verinnerlichten Vorstellungen von Geschlechterrollen oder auch sexuellem Begehren immer wieder aufs neue einengend und unterdrückend aus. Mit welchen anscheinend selbstverständlichen Verhaltensweisen und Vorstellungen dominieren Jungen/Männer/Typen unsere Räume, Gruppen oder auch Beziehungen und Freundschaften? Wie können wir mehr Raum für alle schaffen und männliche Privilegiertheit aufdecken und abgeben? Auch in vermeintlich emanzipierten linken Kreisen gibt es immernoch viele blinde Flecken in Bezug auf antisexistische Praxis. Trotz der theoretischen Anerkennung von Antisexismus fehlt es an einer praktischen Umsetzung im Alltag und in politischen Zusammenhängen. Neben allen fortschrittlichen queeren Bestrebungen muss uns bewusst bleiben, dass wir in patriarchalen Verhältnissen leben und männlich sozialisierte Menschen immernoch auf vielen unterschiedlichen Ebenen gewaltausübend handeln.

Dies äußert sich zum Beispiel:
– in einem als selbstverständlich geltenden privilegierten und dominanten Handeln in verschiedenen gesellschaftlichen oder politischen Zusammenhängen.

Dies äußert sich
– innerhalb vom Beziehungen bei der Übertragung und Durchsetzung eigener Bedürfnisse ohne Reflexion von Machtpositionen.

Dies äußert sich
– in einer heteronormativen, sexualisierten und objektivierenden Wahrnehmung weiblich definierter Menschen.

Dies äußert sich
– im Umgang mit sexuellen Übergriffen, in der immernoch die Definitionsmacht der betroffenen Person in Frage gestellt wird.

Dies äußert sich
– durch Kategorisierungen von bestimmten Eigenschaften von Geschlechtern und auch durch dementsprechendem Handeln. Oftmals ist hierbei auch ein Positiv-Sexismus festzustellen, wie z.B. das Übernehmen von schweren Tätigkeiten, oder der angebliche „Beschützerinstinkt“ gegenüber dem sogenannten „schwachen Geschlecht“.

Dies äußert sich
– auch durch einen subtilen Abwehrreflex gegenüber feministischen Bestrebungen, welcher Antisexismus und Feminismus nur als „weiblich“ definierte Themen ansieht und dabei der Bezug auf sich selbst vergessen wird. Und noch weiter gehend, wenn sich „Männer“ in ihrer privilegierten Rolle als Opfer feministischer Kritik sehen und sich auf einmal von „Frauen“ unterdrückt fühlen oder ihnen gar vorwerfen doch selber Schuld an ihrer Unterdrückung zu sein.

Und dies äußert sich
– nicht zuletzt auch durch die Schuldumkehrung, wie etwa im Fall des Torontoer Polizisten. Hier wird wieder deutlich, wie sehr der männlich „herrschende“ Blick, der Androzentrismus, Frauen objektiviert und sie nur im Bezug auf sich betrachtet. Frauen werden nicht als freie Subjekte wahrgenommen, welche sich auf sich selbst beziehen, sondern als Objekte, welche die emotionale und sexuelle Befriedigung des Mannes gewährleisten sollen.

Diese Beispiele sind Teil einer strukturell-sexistischen Realität. Diese sexistische Realität wollen wir aus allen möglichen Perspektiven reflektieren und bekämpfen. Deshalb halten wir auch den Slutwalk für besonders wichtig, damit wir endlich wieder öffentlich mit Opfermythen aufräumen können. Wir fordern mit Euch gemeinsam, dass die Verantwortung für Vergewaltigungen, Übergriffe und anderen alltäglichen Sexismus klar und deutlich den Schuldigen, den Tätern zugewiesen wird.

FÜR EINE FEMINISTISCHE UND ANTISEXISTISCHE AUSEINANDERSETZUNG, AUCH AUS MÄNNLICH SOZIALISIERTER PERSPEKTIVE! SEXISTISCHE KACKSCHEISSE ANGREIFEN!!