Wir sind heute hier, weil wir keinen Bock mehr auf Vergewaltigungsmythen und Schuldzuweisungen an diejenigen haben, die sexualisierte Gewalt erfahren mussten. Wir sind heute hier, weil hier in Deutschland und nahezu auf der ganzen Welt sexualisierte Gewalt gesellschaftliche Normalität ist. Wir sind heute hier, weil wir für sexuelle Selbstbestimmung kämpfen wollen, die uns allen zusteht. Dazu gehört nicht nur, dass jede Person nur selbst bestimmen kann, was er_sie mag oder nicht mag und mit wem, und wann ihre_seine Grenzen überschritten wurden. Dazu gehört auch, dass jeder und jede nur selbst bestimmen kann und sollte, welche Kleidung er_sie tragen möchte und welche Geschlechtsidentität sie_er hat. Dass alle lieben können dürfen müssen, wen sie wollen, ohne dafür diskriminiert, pathologisiert, gewalttätig angegriffen oder gar kriminalisiert zu werden.

Wir haben keinen Bock auf Zwangsheterosexualität! Lieb doch wen du willst! Wir haben keinen Bock auf Zweigeschlechtlichkeit, denn es gibt so viel Geschlechter wie es Menschen gibt! Sei doch wer du willst!

Und wir haben keinen Bock auf Heteronormativität, also ein System, dass versucht, uns alle auf zwei Schubladen, männlich* und weiblich*, aufzuteilen. Schubladen, die beschriftet sind, mit Verhaltensnormen, Körpernormen und sexuellem Begehren. Nicht jede, die als Frau* abgeheftet wurde, ist sensibel, empathisch und emotional. Nicht jeder, der als Mann* kategorisiert wird, hat starke Arme, Bartwuchs oder ein markantes Kinn. Und nicht jeder, der als Frau* abgefertigt wurde, begehrt Männer.

Lasst uns die Schubladen sprengen! Es wird Zeit….

Zeit, dass kein Kind mehr „operativ angeglichen“, also im Klartext verstümmelt und traumatisiert wird, nur weil er_sie nach von Mediziner_innen festgelegten Maßstäben körperlich nicht eindeutig als „weiblich“ oder „männlich“ identifiziert werden konnte. Allein im letzten Jahr waren davon in Deutschland ca. 300 Kinder betroffen. Zeit, dass Transexualität nicht mehr als psychische Störung angesehen wird. Zeit, dass nicht – hetero Paare die selben Rechte wie hetero Paare haben. Zeit, dass keine und keiner mehr eine „eine irreversible, schicksalhafte homosexuelle Prägung“ nachweisen muss, um in Deutschland Asyl zu bekommen. Zeit, dass keine und keiner mehr auf der Straße oder sonstwo angegriffen, angepöbelt, sexuell belästigt, diskriminiert, pathologisiert, kriminalisiert oder getötet, oder sonstwie mit Gewalt konfrontiert wird, nur weil er_sie nicht in die gesellschaftlichen Normen von „Frauen“ und „Männern“ passt. Weil er_sie nicht liebt, wen er_sie lieben soll, weil er_sie nicht aussieht, wie er_sie aussehen soll, oder weil er_sie nicht klar als Mann* oder Frau* einordbar ist.

Noch immer steht Homosexualität in 76 Ländern dieser Welt unter Strafe, in Mauretanien, dem Sudan, Somalia, Saudi-Arabien und dem Iran sogar unter Todesstrafe. Immer noch werden dessen ungeachtet die meisten Flüchtlinge, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität in ihrem Herkunftsland verfolgt werden in Deutschland abgeschoben. Die Behörden erdreisten sich sogar den Betroffenen anzuraten, sich bezüglich ihrer „homosexuellen Neigungen“ bedeckt zu halten. Immer noch werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung mit sexualisierter Gewalt konfrontiert. Oft wird das mit beschönigenden Begriffen umschrieben, die auch versuchen, die Gewalt durch eine angestrebte „Korrektur“ der sexuellen Orientierung der Betroffenen zu rechtfertigen.

Dies sind Akte größter Demütigung, die zeigen, wieviel Angst es Menschen zu machen scheint, wenn Leute sich nicht in soziale Normen fügen. Gerade auch sexualisierte Gewalt gegen Lesben zeigt, wie wenig anerkannt das sexuelle Selbstbestimmungsrecht als Frauen* kategorisierter Menschen in weiten Teilen der Welt ist. Noch immer werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität ermordet. Allein im letzten Jahr wurden 160 Morde an Transgender Personen registriert, die durch Hass gegen Transidente Menschen motiviert waren. Die Dunkelziffer liegt sicherlich noch weit höher. Transgender sind Menschen, deren bei der Geburt zugeordnetes Geschlecht nicht ihrem empfundenen entspricht. Und noch immer werden 80% der intersexuell geborenen Kinder nach der durch einseitige Information manipulierten Einwilligung ihrer Eltern routinemäßig im Kleinkindalter zwangsoperiert.

Das Alles verstört und macht wütend! Das Alles ist wirklich allergrößte Scheiße!

Aber wir bleiben trotzdem laut und sichtbar! Wir lassen uns nicht einschüchtern und auch nicht angleichen und friedlich in euren Schubladen verstauen! Wir wollen sichtbar im öffentlichen Raum sein. Wollen uns schminken, wenn wir Bock drauf haben, uns einen Bart ankleben, wenn es uns Spaß macht, wollen im Fummel, in Sporthose oder im Anzug durch die Stadt laufen können, ohne uns dumme Sprüche anhören zu müssen oder mit heteronormativen Zuschreibungen konfrontiert zu werden. Wollen Hand in Hand oder knutschend sichtbar sein können, ohne Angst haben zu müssen, von Männlichkeitsfanatikern angegriffen zu werden, und das in der ganzen Welt und jeden verdammten Tag.

Lasst uns bunt und auffällig, sperrig und anders bleiben und uns so frei bewegen, wie heterosexuelle Menschen, Weiße* Menschen und in die gängigen Rollenvorstellungen passenden Menschen auch!

Last uns weiter kämpfen für ein queeres, selbstbestimmtes Wunderland!

*Das Sternchen im Text weißt darauf hin, dass es sich um konstruierte Identitätskategorien handelt, die Unterdrückung ermöglichen und legitimieren.