Pressemitteilung vom 08.08.2011


Pressemitteilung des SlutWalk-Bündnisses Hamburg

NO MEANS NO! Gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt, Vergewaltigungsmythen und -verharmlosung! Für Selbstbestimmung in Bezug auf Geschlecht und Sexualität.

Vor wenigen Monaten (am 03.04.2011) entstand in Toronto eine weltweite Emanzipationsbewegung, die unter dem Namen SlutWalk mittlerweile als die erfolgreichste feministische Aktion der vergangenen 20 Jahre diskutiert wird. Auslöser war eine Bemerkung eines Polizeibeamten am 24.01.2011 im Rahmen eines Sicherheitstrainings an der York Universität, der den Ratschlag gab, Frauen sollten sich nicht wie Schlampen anziehen, wenn sie nicht zu Opfern sexueller Übergriffe werden wollten: „women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized”. Dies löste in Toronto und dann auch bald weltweit eine wütende Protestwelle aus, wie auf der Homepage des SlutWalks Toronto in einer ständig aktualisierten Auflistung der Länder und Städte eindrucksvoll gelesen werden kann (http://www.slutwalktoronto.com/satellite). Die Bemerkung des Polizisten hat das Fass an Demütigungen offenbar zum Überlaufen gebracht, das schon lange zu voll war.

Auch in Deutschland wächst seit mehreren Wochen entschiedener und überregionaler von verschiedenen Gruppen und Organisationen, aber auch Künstler_innen getragener Protest. Das Ziel der SlutWalk-Bewegung ist, sich Selbstbestimmung in Bezug auf Körper, Geschlecht, Aussehen, Sexualität und Begehren zu erkämpfen und sich gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungsmythen und -verharmlosungen wieder entschieden stark zu machen. SlutWalks kämpfen gegen das Klima an, das von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen für Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe verantwortlich macht. Sexualisierte Gewalt ist ein Akt der Machtausübung und hat nichts mit dem Aussehen, der Kleidung oder dem Ort zu tun, an dem sie ausgeübt wird. Es ist ein altes Märchen, dass bestimmte Formen von Kleidung, Aussehen oder Verhaltensweisen Vergewaltigungen provozieren würden, das nur den Tätern nützt und diese schützt, die davon Betroffenen hingegen isoliert und ihnen die Schuld zuweist. Tatsache ist, dass es keinen Zusammenhang zwischen Kleidung und Vergewaltigungen gibt und dass außerdem die meisten Täter aus dem direkten Umfeld der betroffenen Person kommen (Familie, Bekannte, Arbeitsplatz, z. B.) und keine Fremden sind, die die jeweilige Person spontan in die Büsche zerren. Sexuelle Übergriffe sind kein Ausdruck von unkontrollierbarem sexuellem Verlangen, sondern resultieren in allererster Linie aus dem Bedürfnis, Macht auszuüben.

„Bei der SlutWalk-Bewegung geht es nicht darum, endlich mal halbnackt durch die Stadt laufen zu dürfen. Es geht vielmehr darum, dass wenn Personen halbnackt durch die Stadt laufen würden, es nicht ihre Schuld ist, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Die Schuld liegt immer und eindeutig bei den Gewalt-Ausübenden. Das muss endlich unumstrittener Konsens werden, ebenso wie die Definitionsmacht darüber, ab wann Gewalt angetan wird bei den davon Betroffenen liegen muss.“, so Anna Rinne, eine der SlutWalk-Organisator_innen in Hamburg.

Tatsache ist, dass nicht nur Frauen sexualisierte Übergriffe erleben müssen und es bei den SlutWalks nicht nur um die Rechte von Frauen geht. Es geht auch um Menschen, die sich zwischen den Geschlechtern definieren oder diesbezüglich nicht eindeutig zugeordnet werden können, wie Transgender, Transsexuelle, Intersexuelle. Sie sind massiven Anfeindungen in Form von sexualisierter Gewalt ausgesetzt, weil sie zum Beispiel nicht eindeutig als Mann oder Frau auftreten. Oder auch Homosexuelle, die aufgrund ihrer Kleidung oder ihrem Auftreten lesben- und schwulenfeindlich motivierte sexualisierte Gewalt erleben müssen. So trauen sich manche Homosexuelle auch hier in Hamburg nicht aus Angst vor daraus folgender sexualisierter Gewalt, sich ihrem Wunsch gemäß zu kleiden oder zu schminken. Auch hier geht es nicht um die Kleidung, sondern wieder um Machtausübung durch Gewalt und Demütigungen. Menschen werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sozialen und ethnischen Herkunft, ihres Aussehens oder ihrer Sexualität diskriminiert. Persönliche Grenzen, die nur die betroffene Person für sich selbst definieren kann, werden dabei überschritten und den Betroffenen wird oft die Schuld an der Tat gegeben. Mit dem SlutWalk wollen wir auf all diese Missstände aufmerksam machen und uns entschieden dagegen wehren, weltweit, und am 13.08.2011 Deutschlandweit, so auch in Hamburg.

In Hamburg werden wir uns am 13.08.2011 um 15 Uhr am Hachmannplatz einfinden um den SlutWalk mit einer Auftaktkundgebung einzuläuten, um 17 Uhr wird es eine kurze Zwischenkundgebung am Gänsemarkt geben, um 18:30 Uhr die Abschlusskundgebung am S-Bahnhof Sternschanze.

Hinkommen können nicht nur Frauen, Homosexuelle oder sich zwischen den Geschlechtern definierende Menschen, sondern alle, die sich gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt positionieren und hinter den Zielen des SlutWalks stehen.

Eine bestimmte Kleiderordnung als Teilnahmevoraussetzung gibt es nicht, alle sollen sich so kleiden wie sie sich wohlfühlen.

Wir haben es satt in einem System zu leben, das sexualisierte Gewalt, Übergriffe und Belästigungen verharmlost, legitimiert und den Betroffenen die Schuld gibt! Deswegen kommt und wehrt euch laut und vielfältig gegen Sexismus, Trans*-, Homo- und Queerphobie und seid am 13.08. dabei.

Weitere Informationen sind auf unserem Blog (http://slutwalkhamburg.blogsport.de) zu finden, sowie auf Facebook (http://www.facebook.com/SlutWalkHamburg) und Twitter (http://twitter.com/slutwalkhamburg).

- SlutWalk-Bündnis Hamburg – NO MEANS NO! –


2 Antworten auf „Pressemitteilung vom 08.08.2011“


  1. 1 slutwalkhamburg 10. August 2011 um 11:57 Uhr

    Zum Thema Kleidung und Sicherheit: Du solltest auf jeden Fall in der Kleidung kommen, die du selbst am besten findest! Wir werden Menschen auf der Demo haben, die auf sexistische, homo-queer-trans*phobe oder rassistische sowie antisemitisch motivierte Übergriffe achten bzw. die du auch ansprechen kannst und die dann deeskalierend eingreifen (z.B. Ordner_innen, die du anhand einer Armbinde oder einem aufgeklebten Band erkennen kannst).

  2. 2 Name (notwendig) 12. August 2011 um 3:58 Uhr

    *G* dann kann man ja auch mitm kopftuch kommen :]

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